Chronik

Dass der SV Hauswurz nun seit mehr als 90 Jahren besteht, ist jenen Männern zu verdanken die sich 1921 zusammenfanden, um den SV Hauswurz zu gründen.

Als im Jahre 1921 der Verein ins Leben gerufen wurde, konnten die Fußballbegeisterten nicht ahnen, welche Schwierigkeiten im Anfangsstadium auf sie zukommen. Damals standen viele, auch in Hauswurz, dem Fußballspiel sehr reserviert gegenüber. Es war deshalb nicht einfach ein Gelände zu bekommen auf dem ein Fußballspiel möglich war. Als nach langen Verhandlungen eine Wiese gepachtet werden konnte auf der die für ein Fußballspiel notwendigen Tore aufgestellt werden durften, war man heilfroh.

Bei der Wiese handelte es sich um Wirts Hut, die in unmittelbarer Nähe der heutigen Mehrzweckhalle liegt. Leider war es nur eine Bleibe für kurze Zeit, denn schon im nächsten Jahr musste in die Sauern umgezogen werden. Auch dort konnte man nicht lange bleiben und zog dann in die Nähe des heutigen Sportgeländes.

Die Sportbekleidung wurde in Frankfurt beschafft, denn dort hatte ein Spieler gute Verbindungen und die Trikots konnten preisgünstig erworben werden. Mit den Schuhen war es schon schwieriger. Viele kamen aus eigener Herstellung.

Eine einheitliche Kleidung war nun da und der Spielbetrieb konnte beginnen.

Am Anfang gab es Niederlagen. Einige waren sogar recht hoch, aber mit der Zeit wurde es besser und es ging aufwärts.

Eigentlich passt es nicht zusammen, dass eine Wirtschaftskrise einen Aufschwung im Hauswurzer Fußball bewirkte. Denn Ende der 20er Jahre gab es in Deutschland Millionen von Arbeitslosen und das soziale Netzwerk war noch nicht so ausgeprägt wie heute. Auch in Hauswurz waren die jungen Burschen arbeitslos. Die unfreiwillig freie Zeit nutzte man dazu, einen Sportplatz herzurichten. Es wurde ein Pachtvertrag ausgehandelt und mit dem Ausbau begonnen.

Sträucher und Hecken mussten entfernt, Löcher eingeebnet, zahlreiche Steine ausgegraben, Mutterboden beschafft und selbstverständlich eine Drainage angelegt werden. Dies geschah natürlich in Handarbeit, denn Maschinen standen nicht zu Verfügung.

Inzwischen war eine Mannschaft für die Punktrunde gemeldet und das Training verstärkt aufgenommen worden. Einige Spieler hatten in der Fremde fußballerische Taktik und Trainingsmethoden kennengelernt und dies wurde dann mit der Mannschaft umgesetzt. Durch Trainingsfleiß und selbstverständlich auch Können stellten sich bald Erfolge ein.

Im Spieljahr 1932/1933 stand man am Ende der Saison mit Giesel punktgleich an der Tabellenspitze. Das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft in Hosenfeld konnte die Hauswurzer Mannschaft mit 3 : 2 gewinnen und wurde somit Meister der damaligen Gruppe Vogelsberg. Diese errungene Meisterschaft war ein erster Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.

Mittlerweile hatten die Nationalsozialisten die Macht übernommen und es wurden viele Männer zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen. Andere hatten weit entfernt Arbeit angenommen. Ein freies Wochenende gab es noch nicht und es war meistens nicht möglich am Sonntag zu Hause zu sein und der Mannschaft zur Verfügung zu stehen. So konnte ein reibungsloser Spielbetrieb nicht mehr aufrechterhalten werden und die Mannschaft wurde deshalb von der Punktrunde zurückgezogen. Hin und wieder gab es noch Freundschaftsspiele. Durch den 1939 ausgebrochenen 2. Weltkrieg kam der Spielbetrieb komplett zum Erliegen.

Kurz nach dem Ende des schrecklichen Krieges, aus dem viele Spieler nicht mehr zurückkehrten, ging es wieder los mit dem Fußballspielen. Im Jahr 1946/1947 konnte eine Mannschaft zusammengestellt werden. Da die Wiedererrichtung der alten Vereine durch die Besatzungsmächte verboten worden war, schloss man sich mit dem Turnverein zu einer Sportgemeinschaft zusammen. Die Sportgemeinschaft hatte aber nur kurze Zeit Bestand und man ging im guten Einvernehmen auseinander.

 

Sportbekleidung, die zum Fußballspielen erforderlich ist, war nicht mehr vorhanden und wie man bald merkte, auch schwer zu beschaffen. Denn in der Nachkriegszeit waren Güter jeglicher Art sehr rar und das Geld verlor täglich an Wert. Der Tauschhandel blühte. Zu dem Betrag, den die Trikots kosteten, mussten noch einige Meter Brennholz geliefert werden.

Es wurden aber alle Hindernisse, die sich auftaten, mit viel Begeisterung und gutem Willen ausgeräumt und schon stand man wieder Sonntag für Sonntag im Wettstreit mit anderen Mannschaften.

Da sich die Einnahmen in sehr bescheidenen Grenzen hielten, wurde durch Theaterspiel zu Weihnachten die Vereinskasse aufgebessert.

Aber bald drohte wieder einmal Spielermangel. So schwer es auch fiel, die Mannschaft musste Anfang der 50er Jahre vom Spielbetrieb zurückgezogen werden. Doch nicht lange sollte die fußballlose Zeit in Hauswurz dauern.

Zum Spieljahr 1957/1958 wurde wieder eine Mannschaft für die Punktrunde gemeldet. Es waren junge, kaum 18 Jahre alte Spieler, mit denen die Mannschaft wieder neu aufgebaut wurde. Dazu kam, dass der Sportplatz wieder einmal neu zu errichten war. Aber in diesen Dingen hatte man in Hauswurz ja Erfahrung.

So ging es mit guten Vorsätzen, einer großen Portion Optimismus, dem Glauben an das eigene Können, viel Kameradschaft und einer noch nicht so großen Bürokratie an die Arbeit.

Fast täglich wurde am Sportplatz gearbeitet, um ihn wieder bespielbar zu machen. Inzwischen war das Sportgelände in den Besitz der noch selbstständigen Gemeinde Hauswurz übergegangen. Doch schon bald bekam der Verein Schwierigkeiten, besonders mit den Gastmannschaften, die den Zustand des Platzes bemängelten. Auch die Drainage war nicht mehr in Ordnung. Daher beschloss man zusammen mit der Gemeinde im Zuge der Flurbereinigung einen Ausbau vorzunehmen. Ein Ausweichplatz wurde oberhalb des Kalbenhofes gefunden und es wurde wieder umgezogen.

 

Der Ausbau sollte zügig und schnell durchgeführt werden. Aber die Arbeiten verzögerten sich immer wieder. Obwohl sehr viel Eigenleistung erbracht wurde, musste man von 1960 bis 1965 auf der Wiese oberhalb des Kalbenhofes spielen. Dies minderte natürlich die Einnahmen, zumal auch noch Pacht bezahlt werden musste.

Zu erwähnen ist noch, dass auf dem ausgebauten Sportplatz in eigener Regie eine Lichtanlage erstellt wurde, sodass man auch bei Dunkelheit trainieren konnte. Eine Flutlichtanlage ersetzte dann später die Lichtanlage.

Durch die Gebietsreform 1972 wurde Hauswurz an die Gemeinde Neuhof angegliedert. Nachdem 1974 ein kleines Häuschen für Sportgeräte und den Getränkeverkauf durch die Vereinsmitglieder gebaut worden war, bekam der SV Hauswurz durch Finanzhilfe der Gemeinde und Eigenleistung der Vereinsmitglieder ein Sportlerheim. Die Einweihung fand am 25. und 26. Juni 1977 verbunden mit einem Sportfest statt. Das Sportlerheim wurde 1987 zu seiner heutigen Größe erweitert.

Fast eine unendliche Geschichte war der Sportplatzneubau, oberhalb des alten Spielgeländes. Bereits 1972 wurde bei der Gebietsreform ein Sportplatzneubau mit in den Grenzänderungsvertrag aufgenommen. Die Vereinsverantwortlichen dachten, dass damit ein Grundstein für den neuen Sportplatz gesetzt worden war. Dies erwies sich als Irrtum. Auch die Aussage des damaligen  Bürgermeisters von Neuhof 1981 beim Festkommers zum 60. Vereinsjubiläums:  “Auf einen Scheck habe ich dieses Jahr verzichtet, ich habe euch etwas anderes mitgebracht. Hier ist der Bewilligungsbescheid für euren neuen Sportplatz.“, entsprach nicht der Wahrheit. Der Sportplatz war zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal angemeldet. Und so kostete es noch viel Energie und Ausdauer, bis im Jahr 2003 das neue Sportgelände eingeweiht werden konnte.

Zur sportlichen Entwicklung des SV Hauswurz in der jüngeren Vergangenheit ist anzuführen, dass die 1. Mannschaft in der Saison 1983/1984 die Meisterschaft in der B-Klasse errang, dadurch in der A-Klasse Fulda-Süd spielte und anschließend den Aufstieg in die Bezirksliga Süd schaffte. Dieser Klasse gehörte Hauswurz 7 Jahre an.

Ein sportliches Tief ließ die Mannschaft dann zweimal hintereinander absteigen, sodass sie wieder in der B-Klasse landete. In der Saison 1993/1994 wurde dann wieder die Meisterschaft errungen und es gelang der Aufstieg in die A-Klasse Fulda-West.

Im Spieljahr 1998/1999 wurde die Mannschaft nochmals Meister und kam durch den Aufstieg wieder in die Bezirksliga Süd. Durch die dann erfolgte Neueinteilung der Gruppen und ein Punktabzug durch das Nichterfüllen des Schiedsrichtersolls war der Abstieg in die A-Liga Fulda-Lauterbach nicht zu vermeiden.

Leider ging es sportlich weiter bergab und im Jahr 2007 musste die 1. Mannschaft in die B-Klasse absteigen. Nachdem 2009 in der Relegation knapp der Aufstieg verpasst wurde, gelang es der Mannschaft im Jahr 2011 die Meisterschaft zu erringen und in die A-Klasse Fulda – Lauterbach aufzusteigen, in der die 1. Mannschaft heute noch spielt.

Nachdem der SV Hauswurz aufgrund von Spielermangel die 2. Mannschaft auflösen musste, ist es im Jahr 2011 gelungen wieder eine 2. Mannschaft mit jungen Spielern neu aufzustellen und für die Punktrunde zu melden. Seitdem spielt unsere zweite Mannschaft in der C-Klasse Fulda-Mitte.

Als dritte Seniorenmannschaft des SV Hauswurz ist die Alte Herren Mannschaft noch aktiv. Diese ist nicht nur auf sportlicher Ebene durch die Teilnahme an Freundschaftsspielen und Turnieren präsent, sondern ihre Mitglieder bewirtschaften nun auch schon seit Jahren das Sportlerheim des Vereins.

Die Erfolge und das Bestehen des SV Hauswurz wäre nicht ohne eine aktive und engagierte Jugendarbeit möglich gewesen. Bis 1990 konnte man eine komplette selbstständige Jugendabteilung betreiben. Durch Spielermangel in den einzelnen Jahrgängen ging man im Spieljahr 1990/1991 eine Jugendspielgemeinschaft mit dem TSV Neuhof ein, in der man bis 1995 spielte. 1995 schloss man sich der neuen Jugendspielgemeinschaft „Landrücken“ an, die aus den Ortschaften Rückers, Schweben, Rommerz und Hauswurz bestand.

Aufgrund der weiten Entfernung und anderer Schwierigkeiten war dies aber nur von kurzer Dauer und man entschied sich für den nächsten Nachbarn Hosenfeld, mit dem man dann die Jugendspielgemeinschaft Hosenfeld / Hauswurz bildete.

Obwohl diese Jugendspielgemeinschaft sehr gut funktionierte, war es wiederrum der Spielermangel, welcher dazu führte, dass man die Spielgemeinschaft im Jahr 2012 erweitern musste. Seitdem spielen die Kinder und Jugendlichen des SV Hauswurz zusammen mit ihren Altersgenossen aus Hosenfeld, Blankenau, Hainzell und Kleinlüder in der Jugendspielgemeinschaft „Vorderer Vogelsberg“.

Ein besonderer Punkt in der Vereinschronik ist die Gründung der Gymnastikgruppe, die 1975 ins Leben gerufen wurde. Seitdem ist der Sportverein nicht nur ein reiner Fußballverein, sondern bietet auch für alle Mitglieder Ausgleichsgymnastik an.

Seit dem Jubiläumsjahr 2011 ist auch der „Hauswurzer Sommerlauf“ für Läufer, Walker und Nordic-Walker ein fester Bestandteil im jährlichen Veranstaltungskalender des SV Hauswurz.

Leider ist ein Großteil der Chronik verloren gegangen. Eine lückenlose Zusammenfassung unseres Vereinslebens ist erst ab 1957 möglich. Aus der Zeit vorher liegt nur noch eine Mitgliederliste vor, die aus dem Jahr 1935 oder 1936 stammt. In dieser Liste sind die Mitglieder mit Namen, Geburtsdatum, Beruf, Wohnort und politischer Organisationsangehörigkeit aufgeführt. 1936 bestand der Verein aus 35 Mitgliedern.

Die Eintragung ins Vereinsregister wurde 1979 vorgenommen.

Im Jahr 2014 gehören dem Verein 52 Kinder und Jugendliche, 49 Frauen und 187 Männer, also insgesamt 288 Mitglieder, an.

 

Vorsitzende des SV Hauswurz:

1921 – 1928 Hermann Nau

1929 – 1945 Emil Gesang

1946 – 1947 Emil Vogt (Sportgemeinschaft mit dem TV Hauswurz)

1948 – 1957 Emil Gesang

1957 – 1974 Robert Koch

1974 – 1982 Rudi Bär

1982 – 1992 Karl Koch

1992 – 1999 Gerhard Keitzer

1999 – 2005 Paul Klüh

2005 – 2012 Hermann Heil

2012 – heute  Mario Klüh

 

Ehrenvorsitzende des SV Hauswurz:

Robert Koch, Rudi Bär und Karl Koch

 

Ehrenmitglieder des SV Hauswurz:

Emil Gesang, Josef Koch, Leo Kullmann, Ewald Dangel, Werner Jökel, Emil Lotz, Alfred Klüh

 

Mit Leidenschaft, Einsatz und Begeisterung will der SV Hauswurz mit seinen Mitgliedern auch die zukünftigen Aufgaben bestehen. Als nächstes Projekt steht der Anbau an das Wirtschaftsgebäude am neuen Sportplatz an. Nachdem die Finanzierung gesichert war, konnte man Ende 2013 die Planungen für den Anbau beginnen. Diese sind nun abgeschlossen und 2014 soll mit dem Anbau begonnen werden. Der Verein hofft, dass der Anbau mit der Hilfe und dem Engagement der Mitglieder zum 850-jährigen Hauswurzer Ortsjubiläum fertiggestellt sein wird und genutzt werden kann.

 

Hauswurz, den 26.02.2014